Der Chef ist nicht automatisch der Schlaueste - Enterprise 2.0 Teil 1

Geschrieben von Dieter Josten am 14. Juli 2009 | Abgelegt unter Allgemein, Kommunikation, Motivation

Unternehmen haben Wertschöpfungsketten, haben Prozesse, Organisationsstrukturen, Politik und eine Unternehmensökologie die nicht unbedingt auf den gleichen Gesetzen wie das des Webs beruhen.

Eine Enterprise 2.0 Lösung und das Internet werden hierarische Organisationsstrukturen, Prozesse und die Politik in Unternehmen nicht verschwinden lassen – aber verändern.

Doch lassen wir den Begriff Enterprise 2.0 mal weg – worum geht es eigentlich?

In der aktuellen Gallup Studie 2008 (mein Beitrag zu den Zahlen 2007 ) wurde festgestellt das 13 % (2001 - 16%) der Mitarbeiter engagiert am Arbeitsplatz sitzen, 67 % Dienst nach Vorschrift machen, 20 % innerlich gekündigt haben.  In verschiedenen persönlichen Gesprächen auf Geschäftsführungs- oder Vorstandseben wurde diese Einschätzung geteilt. Woran liegt das?

Ein Versuch: Hierzulande orientieren sich Führungskräfte, bedingt durch die Historie (siehe füheren Beitrag), lieber an Aufgaben als an Personen. Der Mensch steht im Mittelpunkt – ist zu oft nur eine Floskel. Kontrolle, weniger Vertrauen, steht im Vordergrund um Unternehmensziele zu erreichen.

Ein Hemmschuh auf dem Weg zur humanorientierteren Unternehmensführung ist unser weit verbreiteter und tief sitzender Glaube an hierarchische Strukturen, Kontrolle, ausgefeilte Prozesse und einige wenige weitsichtige Entscheider.

Doch warum soll Kompetenz nur auf Führungskräfte fokussiert oder in einer Fachabteilung gebündelt zur Verfügung stehen, vielleicht sitzen eine Etage tiefer Mitarbeiter die bessere Ideen, Erfahrungen oder Marktgespür haben und nur darauf warten entdeckt zu werden oder etwas sagen zu dürfen.

Fehlt uns nur die Vorstellungskraft über alternative Organisationsmodelle nachzudenken? Glauben wir im Zeitalter der Wissensarbeiter immer noch an H. Ford und W.Taylor das das Fließband und rationalisierte Abläufe der Weisheit letzter Schluss ist?

Sicherlich wird/muss es auch Unternehmen geben wo eine Führungskraft viele schwach qualifizierte Mitarbeiter führt, Informationen als Herrschaftsinstrument nutzt, viel Kontrolle und wenig Freiraum Arbeitsalltag sind - nur sind das keine Arbeitgeber mehr für heutige Wissensarbeiter.

Zunehmend werden Mitarbeiter zu Wissensarbeitern, deren Tätigkeit mehr und mehr durch die Erzeugung und Nutzen von Unternehmenswissen geprägt ist, Kommunikation, Kooperation und Partizipation werden zum Schlüsselfaktor.

Hierarchische Organisationen haben hier eine gravierende Schwäche. Das Arbeiten in Abteilung beschränkt Perspektiven und schürt Besitzstandsdenken. Kompetenzen eines Mitarbeiters haben im Einklang mit der Abteilung zu stehen bzw. werden so gesehen. Die fachliche „Einschränkung“ und formale Aufbauorganisation fördert  das Prinzip – Wissen ist Macht.

Verborgene Kompetenzen kommen erst gar nicht ans Tageslicht, „Mitdenkende“ werden in der Hierarchie zerrieben oder klein gehalten, bedrohen sie doch die Machtinhaber. Der Aufbau einer kollektiven Intelligenz, welche eine lernende Organisation und Innovationen vorantreibt, nahezu unmöglich.

Letztendlich bestimmen die fachlichen und sozialen Fähigkeiten den Erfolg eines Unternehmens, von welcher „Ebene“ die kommen ist vollkommen egal – Hauptsache Sie kommen.

Genau hier setzt E2.0 an -  Es stellt Mitarbeitern eine Art „Bühne“ zur Verfügung wo diese ihre Kompetenzen präsentieren, persönlichen Lern- und Wissensdomänen miteinander konstruieren und fortentwickeln, während sie einander zuhören, wertschätzen, beobachten oder direkt in Kontakt treten und so soziale Netzwerke schaffen die Berge versetzen.

Unternehmen steigern dadurch die Selbstverantwortung und respektieren den Dialog, außerhalb der eigenen Abteilungen und Organisationen. Wissen ist nicht mehr an Abteilungen gebunden und kann sich frei entfalten, selbst über Unternehmensgrenzen hinweg. Der kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP) wird zum Alltag. Zuhören und Coaching zu einer der wichtigsten Aufgaben des Managements.

Das wichtigste zum Schluss: Im Vordergrund von E2.0 sollten dennoch immer konkrete Lösungen für konkrete Probleme stehen - sonst macht das ganze keinen Sinn.

Doch der Anfang allen Wandels ist Vertrauen - Vertrauen schaffe ich durch Transparenz und Wertschätzung. Doch wie sag ich es meinem Kinde?

Teil 2

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Ein Kommentar zu “Der Chef ist nicht automatisch der Schlaueste - Enterprise 2.0 Teil 1”

  1. am 30. Juli 2009 um 10:02 1.Blick auf die Blogger-Szene | Cirquent Blog schrieb …

    [...] auch ein Beitrag aus dem Knowledge Garden. Ein Zitat daraus: “Hierarchische Organisationen haben (…) eine gravierende Schwäche. [...]

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