Projekt - Innovationen - zu Befehl!
Geschrieben von Dieter Josten am 1. September 2009 | Abgelegt unter Allgemein, Kommunikation, Motivation, Projektberichte
Letzte Woche hatte ich einen Kunden-Workshop und verschiedene Besprechungen zum Thema Innovationsmanagement und Einsatz eines prediction markets. Es war ein hartes Stück Arbeit die Damen und Herren zu überzeugen das man Innovation nicht via Prozess oder durch Einsatz einer intelligenten Software verordnen kann - es ist ein Kulturthema.
Doch warum beschäftigt sich dieses Unternehmen plötzlich mit dem Thema? Weltwirtschaftskrise, härterer Wettbewerb, Kostenreduktion… - kämpft es unter Umständen ums Überleben? Ja es kämpft, da es nicht fähig ist auch in härteren Zeiten am Markt zu bestehen. Ok etwas hart formuliert, aber warum denken in diesen Unternehmen Mitarbeiter nicht mehr mit?
Liegt es vielleicht daran das sie die Nase voll haben, kein Vertrauen und keine Wertschätzung zu erfahren?
Folgendes hat sich bis dato in diesem Unternehmen abgespielt (Danke das ich das veröffentlichen durfte):
Immer wieder wurden Abteilungen vom Management aufgerufen Ideen zu sammeln. Da aber niemand so richtig Zeit und Muße hatte, die Beweggründe/Zielsetzung nicht klar war, kam kaum Input. Das Management war sauer und mahnte an. Es folgte ein Stichtag bis zu dem jede Abteilung min. 10 Ideen auf den Tisch legen sollten.
Es kamen mehr Ideen als erwartet, leider konnte man 95% der Ideen vergessen, einige waren aus Sicht des Management zu revolutionär, andere nicht sinnvoll oder hatten keinen Business Bezug. Das Management suchte 5 Ideen aus die weiter zu verfolgen seinen, setzte ein Projektteam (Monitoring) auf und übergab sie den zuständigen Fachbereichen – Feedback an die Mitarbeiter gab es nicht.
Die Fachbereiche waren hocherfreut über diese zusätzlichen Aufgaben und machten sich „begeistert“ ans Werk. Die Frage woher zusätzliche Ressourcen und Budget kommen sollten, blieb unbeantwortet. Sie waren von diesen Innovationen eh nicht begeistert, setzen die Prio auf Low. So dümpelten diese endlos vor sich hin bis es dem Management zu bunt wurde und es erneut Eingriff.
Es setzte einen Stichtag bis wann die Innovationen umzusetzen seinen, führten ein 14 tägiges Reporting ein und übte gezielten Druck auf die Fachbereichsleiter aus. Einige dieser Innovationen schafften es doch und wurden umgehend hochtrabend vom Management vermarktet. In aller Öffentlichkeit die Ideengeber honoriert und als Mitarbeiter des Jahres ausgezeichnet.
Dieses Spiel ging nun seid mehreren Jahren so und brachte eigentlich nie den gewünschten Erfolg…warum bloß? - Fragen?
Beispiel wie es auch anders geht zeigt Daimler und Best buy oder einfach mal bei den innovativsten deutschen Unternehmen vorbeischauen.
3 Kommentare »
am 2. September 2009 um 14:22 1.Jörg Walter schrieb …
Das ist doch mal ein schönes Lehrbuchbeispiel wie es in vielen Unternehmen abläuft. Ich kann diese Beschreibung nur bestätigen.
Innovation kann man nicht verordnen, weder durch Befehl, noch durch einen Prozess oder gar eine Software. Innovation ist Kultur und muss von Oben vor-gelebt werden. Und Innovation bedeutet auch immer Fehlschläge. Unternehmen müssen das verstehen und akzeptieren.
Erst wenn die Kultur ansatzweise vorhanden ist kann man darüber nachdenken die entsprechenden Prozesse einzuführen (Innovationsmanagement), Verantwortlichkeiten zu verankern (Innovationsmanager) und Software einzuführen (Effizienzsteigerung). Dann kann Innovation zu einer schlagkräftigen Waffe werden.
am 8. Oktober 2009 um 12:25 2.Gerald - hyperkontext schrieb …
Trackback:
September 2009 im Kontext - Alles bleibt gut
http://hyperkontext.at/weblog/artikel/september-2009-im-kontext/#alles-bleibt-gut-h227
[...] In solchen Organisationen läuft es dann so, wie Dieter Josten beschreibt: Projekt - Innovationen - zu Befehl! [...]
am 2. November 2009 um 12:19 3.Anett Klose schrieb …
Vielen Unternehmen ist nicht wirklich bewusst, dass die Innovation betriebswirtschaftlich erfolgreiche Kreativität ist. Dass man zur Kreativität nicht befehlen kann und dafür ein angenehmes Arbeitsklima benötigt, ist jedoch häufig klar. Zur Förderung der Kreativität gibt es einige Möglichkeiten und unterstützen kann hierbei mitunter auch Software, aber nicht jeder kreative Lösungsansatz wird zur Innovation.
Die Innovation ist die Nadel im Heuhaufen der Kreativität.