Die Zukunft des Suchens … ist nicht Suchen.

Geschrieben von Dieter Josten am 22. Juni 2010 | Abgelegt unter Allgemein

Wir beschäftigen uns gerade bei einem Projekt mit der Entwicklung eines „virtuellen Gefährten“, Nein kein Avatar, sondern einen elektronischen Gefährten auf Basis eines neurosemantischen Netzes. Der Gefährte hilft mir das wesentliche vom unwesentlichen zu trennen und die Serendipität in die richtige Richtung zu lenken. In einer weiteren Phase auch Aufgaben zu erledigen. Ziel ist dem Eigentümer des Gefährten in die Lage zu versetzen relevante Expertisen und Informationen im aktuellen Lern-, Arbeits- oder Privatkontext zur Verfügung zu stellen – Finden statt Suchen.

Wir glauben, dass sich die Art und Weise, wie wir nach Antworten auf unsere Fragen suchen, sich wesentlich verändern wird. Heute nutzen wir google und Co - Morgen eine Konversation der man vertraut. Wer diese Konversation führt – Mein persönlicher Gefährte.

Hintergrund

Angefangen hat die ganze Geschichte, bzw. die Gedanken dazu, vor mehr als 23 Jahren als 1987 Apple ihren „Knowledge Navigator“ vorstellte. Damals fand ich die Idee revolutionär aber wie sagt man so schön: room for improvement .

1995 veröffentlichte der Erfolgsautor Neil Stephenson seinen Roman „Diamond Age“. Dieser handelt Jahrzehnte in der Zukunft wo ein genialer Nanotechniker die „Illustrierte Fibel für die junge Dame“ entwickelt - ein Computer der wie ein Buch aussieht, interaktiv ist und auf die Fragen, Kommentaren, Tonalität, Gestik und Umgebung seines Nutzers reagiert.

Die Heldin des Roman ist Nell, ein junges Mädchen aus schlechten Verhältnissen. Sie lebt in einer Zukunft, in der die ganze Welt auf Nanotechnologie basiert und die Gegenstände in sogenannten Materie-Compilern aus einzelnen Atomen zusammengesetzt werden – OK keine Panik.

Eines Tages bekommt sie von ihrem Bruder ein gestohlenes Buch, das sich als interaktiver Nano-Computer herausstellt, der zur Erziehung eines gleichaltrigen Mädchens aus der Oberschicht gedacht war. Dieses Buch „Die Illustrierte Fibel für die junge Dame“ verhilft Nell zu immensem Wissen und einem Überlebensvorteil in ihrer eigentlich ausweglosen Umwelt, der schließlich sogar zu einem starken gesellschaftlichen Aufstieg führt.

Nell lernt mit ihrer Fibel Lesen, Schreiben, Rechnen, Anstand, Umgangsformen und vieles andere mehr, was man in ihrem Mileu nie auch nur ansatzweise zu hören bekäme. Es ist Lektüre, Lehrer und Lebensbegleiter in einer Form , allgegenwärtig.

Nells erste Erfahrungen mit der Fibel S.113

Es war einmal eine kleine Prinzessin namens Nell, die in einem großen dunklen Schloss auf einer Insel mitten im Meer gefangen war, zusammen mit einem kleinen Jungen namens Harv (Bruder), ihrem Freund und Beschützer. Außerdem hatte sie vier ganz besondere Freunde namens Dinosaurier, Ente, Peter Karnickel und Purpur (ihre Stofftiere).

Prinzessin Nell und Harv konnten das Dunkle Schloss nicht verlassen, aber von Zeit zu Zeit kam ein Rabe sie besuchen…

„Was ist ein Rabe?“ sagte Nell.

Die farbenfrohe Illustration zeigte die Insel aus der Luft. Die Insel rotierte nach unten, aus dem Bild heraus, das nun einen Blick zum Horizont des Meeres zeigte. Ein schwarzes Pünktchen war in der Mitte zu sehen. Das Bild zoomte auf das schwarze Pünktchen, das sich als Vogel entpuppte. Große Buchstaben wurden darunter eingeblendet. „ R A B E“, sagte das Buch. „Rabe“. „Und jetzt sprich mir nach“.

„Rabe“ sagte Nell.

„Ausgezeichnet! Nell, du bist ein kluges Mädchen und kannst gut mit Worten umgehen. Kannst du Rabe buchstabieren?“

…“

Die Fibel vermittelt Inhalte in Form von Geschichten und berücksichtigt dabei Nells aktuelle Lebenssituation und Wissensstand. Es lernt über die Antworten/Kommenatre, Ausdrucksweise, Körpersprache und Bewegung sein gegenüber kennen und kann Aufgaben so formulieren, dass der Lernende diese verstehen und lösen kann – Binnendifferenzierung per excellence.

Neil Stephenson hat mit dieser Fiktion, aus meiner Sicht, ins Schwarze getroffen. Alle hier aufgeführten funktionalen Merkmale der Fibel sind technisch, zum Teil heute schon, realisierbar.

Es ist eine Frage der Zeit wann diese Fiktion Realität wird, nicht ob.

Der Grundstein ist mit dem ipad gelegt. Ok – noch gibt es die intelligenten Programme im AppStore nicht – aber wo ein Wille/Markt ist da ist auch ein Weg.

Apropos Weg - warum hat wohl Apple Siri gekauft. Ich glaube dass Apple damit einen strategischen Vorteil gegenüber allen Suchmaschinen eingekauft hat. Kombiniert man das ganze noch mit der Vision von Pranav Mistry - Vision „six sence“, die Verschmelzung der digitalen und physikalischen Welt, ist die Fibel in greifbarer Nähe gerückt.

Hier noch ein interessantes Video von Kate Ray einer NYU Jouranalistin zum Thema Zukunft des Suchens. Ich glaube auch nicht (David Karger, Abraham Bernstein) das das “semantic web” eine Ontologie benötigt.

Web 3.0 from Kate Ray on Vimeo.

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