Die Stunde der Idioten

Geschrieben von am 13. August 2008 | Abgelegt unter Allgemein, Lernen

So hiess der Leitartikel von Wolf Lotter in der brandeins 05/2008 Ausgabe zum Thema Bildung.

Vorweg: Ja – ich beschäftige mich mit “Lernen zu Lernen” an Schulen, da Elternteil und ich der Meinung bin das dies einen wesentlichen Einfluss auf unseres späteres Lernen hat. Frontalunterricht hilft nur bedingt weiter.

2004/5 haben wir mit unseren Schulaktivitäten, spezi. Methodik für selbst organisiertes Lernen (SOL) inkl. Einsatz neuer Medien im Unterricht, mit Unterstützung von Prof. Dr.Dr. Manfred Spitzer (Videos), sogar einen NRW Bildungspreis gewonnen – toll, gebracht hat es den Schülern leider danach nichts mehr, weil die Lehrer nicht weitermachen wollten obwohl…Rest spar ich mir da ich mich sonst wieder aufrege ;-)

Doch zurück zum Artikel. Aus Sicht Wolf Lotter ist Bildung der Umgang mit Wissen, und Wissen bezieht er auf die eigene Unsicherheit und wie diese in den Griff zu bekommen ist. Für Ihn ist Bildung Lernen zu Lernen – wie wahr, nur will das keiner hören. Die Bildungprogramme versagen in unserem Land weil wir etwas Lernen weil es alle Lernen. Veränderung will niemand. Er vergleicht das mit dem Angebot eines Basars dessen Vielfalt ich nicht wahrnehmen kann, wenn ich einen Einkaufzettel dabei habe.

Auch hilft aus seiner Sicht die Kollektive Intelligenz nicht weiter, denn diese ist nicht gleich der Summe aller Individualgedanken. Kollektive ist der Versuch statt einer geistiger Anstrennung bestimmte Probleme zu lösen die im Zusammenhang mit der Entwicklung der Wissensgesellschaft zu tun haben.  Was Du selbst nicht lösen/denken kannst wird die Gruppe für Dich lösen – doch wenn 10 Idioten sich zusammensetzen kommt nicht automatisch etwas Intelligentes heraus.

Eine Person muss den Anspruch haben etwas verändern zu wollen. Das gilt es zu Lehren. Die Entwicklung des Bologna Prozess hiflt uns da auch nicht weiter, warum nicht mal das Humboldtsche Bildungsideal - Zweifel ist der Weissheit Anfang.

In der Arbeitswelt sieht es genauso aus – meine Sicht. Immer mehr Unternehmen erwerben große Learning Management Systeme, um betriebliche Lernprozesse möglichst umfassend zu administrieren, zu verfolgen und zu evaluieren.

Darum wundert es auch wenig das diese Lösungen sich fast ausschließlich auf die Weitergabe von modellierten Expertenwissen fokussieren. Inhalt und Prozess kontrollieren Web-Designer und Inhaltsexperten, die entweder vollständig, oder teilweise an die Stelle der traditionell vorhandenen Lehrperson treten.

Experten spezifizieren, kontrollieren Material, Maßnahmen und antizipieren die erwünschten Resultate. Lernen findet dann als Konsequenz dieser Praxis statt. Der lernende Mitarbeiter bleibt Konsument. Den Lernprozess organisieren andere.

Wenden wir uns aber von “Wissen als Produkt” ab, dann scheint es schlüssig sich vornehmlich dem Design und der Entwicklung von Werkzeugen, Methoden, und Umgebungen zu widmen, die Mitarbeiter dabei unterstützen in zunehmenden Maß Kontrolle über ihr eigenes Lernen zu gewinnen und ihren eigenen Veränderungsprozess erfolgreich zu gestalten.

Institutionalisiertes Lernen soll damit weder ersetzt noch schlecht geredet werden. Nur besteht dringender Bedarf die Kunst des Lehrens (Pädagogik) um eine Kunst des kollektiven und selbstorganisierten Lernens zu erweitern.

Die sich ständig ändernden und großteils nicht voraussagbaren Prozesse des persönlichen Lernens finden im Kontext zur Aufgabenstellung, täglich außerhalb und fern von Learning Management Systemen statt.

Lernen und Arbeitsprozess sind ein Prozess.

Ulrike Host vom thefutureoflearning-Blog hat mit Wolf Lotter ein Interview geführt – Interessant.

Letztendlich vertritt Prof. Maurer eine ähnliche These. Ein anderer Beitrag von Ihm schlägt sogar die Brücke zur Semantik.

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