Sind Mitarbeiter für das Unternehmen da oder ist das Unternehmen für die Mitarbeiter da?”

Geschrieben von Dieter Josten am 2. Oktober 2008 | Abgelegt unter Allgemein, Kommunikation, Motivation

Immer wieder begegnen uns in Unternehmen Führungskräfte die bei dem Thema Social Networking oder besser personalorientierte Führung, leicht zusammenzucken. Was sind die Gründe dafür?  Alter, Job/Rolle, Branche /Markt in den sich das Unternehmen bewegt..

Ein Versuch…

Standort Deutschland. Ich denke wir haben da eine gewisse Historie und besagt fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. Dazu ein kurzer Ausschnitt aus einem Interview(01/2008) mit Prof. Felix Brodbeck (einer der Initiatoren der GLOBE Studie):

„Anfang des letzten Jahrhunderts waren nach preußischem Vorbild der unbedingte Gehorsam und die eiserne Disziplin von zentraler Bedeutung. Dieses kulturgeprägte Schema einer entpersönlichten, enthumanisierten Führungsauffassung war über viele Jahre sehr erfolgreich. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde ihm von den Siegermächten institutionalisierte Form der Machtkontrolle und des Interessensausgleich zwischen Kapital und Arbeit gegenübergestellt, beispielsweise Sozial- und Arbeitsgesetze, Betriebsverfassung und Mitbestimmung. So konnten einerseits die einzelne Führungskraft effektiver kontrolliert werden, musste andererseits aber auch weniger auf humanorientierte Verhaltensweise beim direkten zwischenmenschlichen Umgang zurückgreifen.
Eine feine Balance die in jüngster Zeit aber aus dem Lot geraten ist. Die institutionalisierte Humanorientierung in Deutschland bricht zunehmend weg. Dagegen entsprechen die Manager, die heute an der Spitze und in höheren Etagen unsere Unternehmen führen, dem gerade beschriebenen Ideal noch sehr stark. Sie wurden von unserer Führungskultur geprägt und prägen Sie mit. Folglich kommen weiterhin Manager zum Zuge, die eben auch diesem Schema entsprechen.“

Also trägt der staatliche Schutz dazu bei, das Menschen weniger aufeinander angewiesen sind. Bröckelt (Globalisierung, Bankenkrise, unternehmerische Werte werden mit Füßen getreten, neue Gesetze…) dieser Schutz, haben Menschen mehr Bedarf an einer humanorientierten Führung, bei dem der Respekt vor Mitarbeiter, ihrer Wertschätzung und die unmittelbare Berücksichtigung ihrer Belange mit im Zentrum stehen.

Hierzulande orientieren sich Führungskräfte, bedingt durch die Historie, lieber an Aufgaben als an Personen, zuletzt auf der Messe „Zukunft Personal 2008“ live erlebt, siehe Bericht. Der Spruch - Der Mensch steht im Mittelpunkt – ist zu oft nur eine Floskel. Prof. Brodbeck:

Im internationalen Vergleich besticht die deutsche Führung durch eine hohe Leistungs- und Zukunftsorientierung, aber auch ein hohes Maß an Unsicherheitsvermeidung zulasten Innovation und Experimentierfreudigkeit. ..Deutschland landet bei der Humanorientierung auf einem der letzten Plätze Weltweit.

Auf der einen Seite haben wir also Mitarbeiter die immer mehr aufeinander angewiesen sind, soziale Nähe suchen und humanere Umgangsformen wünschen, auf der anderen Seite Führungskräfte die konkrete Ziele aufstellen und versuchen durch Kontrolle und Anreize diese zu erreichen. Wundern wir uns jetzt noch warum nur 12% der Mitarbeiter motiviert am Arbeitsplatz sind? Nicht wirklich.

Eigentlich eine plausible Erklärung für die leichten Zuckungen beim Thema Social Networking, denn da könnte sich ja was zusammenbrauen was nicht kontrollierbar ist und zudem wertvolle Arbeitszeit in Anspruch nimmt.

Entwarnung, wissenschaftlich ist bewiesen das ein humanorientierter Führungstil nachweislich zu einem Produktivitätsgewinn und einer hohen Aufgabenorientierung führt.

Umdenken ist angesagt. Das geht sicher nicht von heute auf morgen, aber es ist erlernbar - nur Mut, auch in Richtung der Personaler…

Quellen:

Ähnliche Beiträge: Der Chef ist nicht automatisch der Schlaueste - Enterprise 2.0 - 08/2009

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Ein Kommentar zu “Sind Mitarbeiter für das Unternehmen da oder ist das Unternehmen für die Mitarbeiter da?””

  1. am 20. Oktober 2008 um 17:22 1.Knowledgegarden - The Rock » Identitätsmanagement - wir ist das neue ich schrieb …

    [...] wird Führung (humanorientiertes Führungsverhalten) wichtiger als Kontrolle sein. Vorgesetzte sind als Impulsgeber und Vorbilder gefordert, sie [...]

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